Interview mit Schauspieler Alexander Schank

1. Hallo Herr Schank. Stellen Sie sich und Ihren Beruf als Schauspieler kurz vor.

Mit 10 Jahren stand ich das erste Mal auf der Bühne, fing als kleiner Germane in „Romulus der Große“ an. Über die Jahre steigerte sich das Bedürfnis auf der Bühne zu stehen zusammen mit der Leidenschaft, wie auch der Erfahrung. Nach diversen Theaterproduktionen, musikalischen Auftritten, Kurzfilmen wie auch Aufträgen als Sprecher für verschiedene Hörspiele stand ich im Theater Baden-Baden als Gast mit dem Musical „Manche mögen’s heiß“ auf der Bühne. So fiel dann meine Entscheidung die Kunst nicht nur als Hobby auszuüben und ich begann kurz darauf meine Schauspielausbildung in Berlin, welche ich 2015 erfolgreich abgeschlossen habe. Seitdem bin ich freiberuflich als Schauspieler und Sprecher tätig.

2. Welche Charaktere passen am besten zu Ihnen? Haben Sie sich dementsprechend spezialisiert?

Welche am besten zu mir passen liegt wohl immer im subjektiven Auge des Regisseurs, Casters etc. Meine Einschätzung liegt eher darin zu sagen welche mir am meisten Spaß machen. Aber da versuche ich persönlich mich breit zu fächern, da auch der Reiz für mich in der Vielfalt der Rollen liegt. Besonders die Herausforderung einen Charakter zu spielen der mir auf den ersten Blick recht fern ist, kann am verlockendsten sein und bringt mich am weitesten.

3. Welche Unterschiede gibt es zwischen Fernseh-, Theater- und Filmschauspielerei? Welcher Schauspielerbereich ist für Einsteiger Ihrer Meinung nach am geeignetsten?

Der wohl prägnanteste Unterschied liegt darin, dass im Film/Fernsehen vor allem authentischeres Spiel erforderlich ist. Das ist auf der Bühne teilweise anders, es ist alles viel größer, was nicht heißt, dass man da nicht glaubhaft sein muss. Wenn die Kamera jede Gefühlsregung, jedes Zucken im Gesicht aufnimmt, muss man im Theater auch die letzte Reihe erreichen. Für die Bühne bedarf es z.B. einer gut ausgebildeten kräftigen Stimme, was vor der Kamera vernachlässigt werden kann. Welche Sparte am geeignetsten für Einsteiger ist, ist für mich nicht zu beurteilen, da man das wahrscheinlich individuell für jeden einzelnen betrachten muss.

4. Wird die Schauspielerei einem grundsätzlich in die Wiege gelegt, oder sind etwaige Aus- und Fortbildungen erforderlich? Wenn ja, welche Vorteile sehen Sie in ein einem Studium/einer Ausbildung etc.?

Es gibt grandiose Kollegen, denen das tatsächlich in die Wiege gelegt wurde, welche sich ohne Ausbildung eine beachtenswerte Karriere aufgebaut haben. Hierbei sei jedoch erwähnt, dass davon die meisten auch nicht gänzlich ohne „Ausbildung“ auskommen und oft Coaches an der Seite haben. Manche davon kamen dabei jedoch wie die Jungfrau zum Kind, strebten diese Karriere nicht primär an, wurden entdeckt. Dies sieht man aber eher mal in der Film-/Fernsehbranche. Da ich aber schon in jungen Jahren den großen Wunsch hatte auf der Bühne zu stehen, entschied ich mich den Weg mit Ausbildung zu gehen, da es für die Bühne doch eher erforderlich ist das Handwerk zu erlernen. Auch hierbei ist aber immer individuell abzuwägen.

5. Vervollständigen Sie folgenden Satz: Die größten Illusionen angehender Schauspieler sind …

  • ..., dass jeder Regisseur nur auf sie gewartet hat.
  • …, dass es ein leichtes Leben ist sein Hobby als Beruf zu haben.
  • …, dass ein hübsches Gesicht reicht um Erfolg zu haben. Glaubt man das, sollte man vielleicht lieber Model werden.

6. Was kann an der Schauspielerei aufregend und was kann belastend sein?

An der Schauspielerei kann nichts besonders aufregend sein, da der gesamte Beruf einfach aufregend ist. Natürlich gibt es Höhen und Tiefen, die schlechten Zeiten können einem dabei ganz schön an die Substanz gehen. Doch genau das macht es ja wiederrum aufregend. Wer Schauspieler geworden ist, hat das schließlich nicht getan um es leicht zu haben. Abenteuer sind nur dann Abenteuer, wenn es Hürden gibt die es zu überwinden gilt.

7. Was war an Ihren bisherigen Dreharbeiten besonders anspruchsvoll? Begründen Sie!

Unangenehme Wetterbedingungen, lange Wartezeiten und Schlafmangel sind Alltag, damit muss man einfach klarkommen - als Diva kommt man nicht weit, wenn man nicht gerade Marilyn Monroe ist. Eine ungewöhnliche Herausforderung ist nun schon etliche Jahre her: Für den Tatort wurde ich als jugendlicher Krimineller besetzt. Letztendlich lief es dann darauf hinaus, dass diese Rolle sehr früh im Film ermordet und im Wald verscharrt aufgefunden wird. Genau diese Szene zu drehen war spannend, denn neben den oben genannten Bedingungen kam nun hinzu, dass mein Körper zu ¾ unter der Erde lag und es erfordert immens viel Konzentration, wenn einem Ameisen in der Unterhose umherkrabbeln, man sich aber nicht bewegen darf, man ist ja tot.

Psychisch besonders anspruchsvoll sind aber stets die Rollen, die an die Substanz gehen. Neulich übernahm ich die Rolle eines Drogenabhängigen, welcher scheinbar jegliche Chancen im Leben verspielt hat. Holt man dieses Schicksal an sich ran und spürt wie es ihr geht, fühlt wie diese Person sich wohl fühlt, erfordert es eine Menge nach der Arbeit wieder davon loszulassen.

8. In welchem Bereich haben angehende Schauspieler die besten Berufschancen und welche Rolle spielen persönliche Kontakte in diesem Berufszweig?

Jeder Bereich erfordert gleichermaßen ungemein viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen, da gibt es keinen Bereich in dem man „leichter“ zu Erfolg kommt. Kontakte zu haben ist natürlich essentiell, doch sollte man dieses „Vitamin B“ nicht heiliger sprechen als den Papst. Wenn man konsequent seine Ziele verfolgt, sich unter Leuten aufhält, die ähnlichen Interessen haben, dann entstehen diese Kontakte automatisch. Dann gilt es sie nur noch zu pflegen.

9. Der Beruf des Schauspielers wird oft unterschätzt. Gibt es viele Konkurrenten in dieser Branche? Wenn ja, was ist notwendig für den gewünschten Erfolg?

Der Beruf wird nicht nur oft unterschätzt, sondern viel zu oft. Konkurrenten gibt es zu Hauf, es gibt mehr Schauspieler als es Rollen gibt und alleine in Berlin ist die Zahl der arbeitslosen Schauspieler immens. Doch auch wenn es etliche Schauspieler gibt, gibt es nur mich, der so aussieht und spielt wie ich es tue und das trifft auf jeden zu. Sich das vor Augen zu halten gibt einem Kraft und Selbstvertrauen und genau das ist es auch was notwendig ist. Talent ist schön und gut, man muss es auch zu nutzen wissen.

10. Haben Sie ansonsten hilfreiche Ratschläge oder Tipps?

Weise Worte von einem Kollegen: „Das wahre Geheimnis ist es seine Stärken, aber auch sein Schwächen zu kennen.“ Selbstreflektion ist unabdingbar - einmal, um zu wissen welche Rollen man spielen kann und dann um zu wissen wo die Defizite sind, denn wenn ich weiß was mir fehlt, weiß ich auch was ich brauche. Ansonsten: Dranbleiben!

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