Interview mit Stuntman Raffael Armbruster

1. Hallo Herr Armbruster, stellen Sie sich und Ihren Beruf kurz vor.

Ich heiße Raffael Armbruster, bin 24 Jahre alt und arbeite als Stuntman. Als einer der wenigen Stuntleute besuchte ich eine Stuntschule im Süden Frankreichs. In den letzten Jahren arbeitete ich freiberuflich für diverse nationale und internationale Projekte, sowie in der Stuntshow im Filmpark Babelsberg.

2. Wie sieht der Trainingstag eines Stuntmans aus?

Das ist sehr unterschiedlich- je nachdem ob man sich gerade auf ein spezielles Projekt vorbereitet oder seine generellen Fähigkeiten in unterschiedlichen Bereichen verbessern will. Bei mir steht Krafttraining und Stretching immer auf dem täglichen Trainingsplan und dann kommen z.b. Akrobatik, Choreographie Training, Sturztraining oder Kampfsport dazu.

3. Ein Stunt dauert meist nur ein paar Sekunden? Doch wieviel Zeit benötigt man für die Vorbereitung?

Die Vorbereitung nimmt natürlich mit Abstand am meisten Zeit ein, je nach Stunt kann das vom einfachen hinrichten der Matten bis zum komplexen Aufbau eines Rigging System reichen oder dem mehrtägigen Erarbeiten einer Kampfchoreographie und hinzu kommt halt auch noch das persönliche Training was ich auch zur Vorbereitung zählen würde.

4. Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß? Welche sind Ihre Lieblingsprojekte und Einsatzgebiete?

An meinem Job liebe ich am allermeisten die Vielfältigkeit, man lernt aus so vielen unterschiedlichen Bereichen und jeden Tag was neues dazu. Das kann z.B. sportlich, technisch oder auch physikalisch sein. Am Set herrscht gute Stimmung und man kann seinen Job auf der ganzen Welt ausüben und gleichzeitig noch neue Länder kennenlernen.

5. Die „Zeit“ behauptet in einem ihrer Artikel: „Im Unterricht lernen die Actionhelden Material- und Waffenkunde- und Filmverständnis.“ Stimmen Sie dieser Aussage zu? Was lernt man bei der Ausbildung noch?

Was meine Ausbildung betrifft, stimme ich da zu. Wir hatten mehr als 10 verschiedene Unterrichtsfächer unter anderem auch Materialkunde und Waffenhandling. Allerdings gibt es nur sehr wenige Stuntleute die eine Stuntschule besuchen und somit auch hauptsächlich Quereinsteiger, was nicht heißen muss, dass diese weniger Erfahrung haben. Vieles muss man sich selbst beibringen oder von erfahreneren Stuntleuten beibringen lassen. Ich hatte damals noch Schauspielunterricht, High- Fall Training, Treppensturztraining, allgemeines Sturztraining, Human Torch, Kampchoreographie, Parkour, Akrobatik und Fechten.

6. Handelt es sich beim Beruf des Stuntmans um einen Job, der v.a. für Quereinsteiger geeignet ist?

Wie oben schon genannt ist das meistens so, vieles muss man in der Stuntbranche während der Berufszeit selber lernen und man hätte vorher vielleicht auch gar nicht die Chance gehabt sich das beizubringen. Man bringt quasi seine Stärken von Anfang an mit und versucht diese noch zu erweitern oder zu verbessern.

7. Durch den technischen Fortschritt und Animationen ist heutzutage vieles möglich. Sehen Sie die Arbeit des Stuntmans dadurch gefährdet?

Das sehe ich nicht so, da es immer noch schwer ist „Stunt-Aktionen“ als Animation komplett reel wirken zu lassen und die Programmierzeit ist oft kostenintensiver als den Stunt real durchführen zu lassen.

8. Wie gefährlich ist heute die Arbeit als Stuntman? Worauf sollte man sich einstellen und welche weiteren Ansprüche stellt dieser Job in seinen verschiedenen Einsatzgebieten?

Die Arbeit als Stuntman birgt immer ein Risiko, aber es wird versucht, dieses so gering wie möglich zu halten. Man sollte seinen Körper gut kennen und lernen mit Verletzungen umzugehen. Desweiteren sollte man flexibel sein und ein gutes Durchhaltevermögen an den Tag legen. Ein Drehtag kann sehr hart sein und dauert oftmals länger als 12 Stunden. Es kann auch immer Zeiten geben in denen es nicht gut läuft und man nicht genügend Aufträge hat.

9. Bis zu welchem Alter ist man als Stuntman geeignet?

Das ist ganz individuell je nach körperlicher Verfassung und Motivation. Ich glaube aber auch, irgendwann wechselt man gerne den Bereich vom Stuntman zum Stuntkoordinator oder in diverse andere Bereiche.

10. Haben Sie Vorschläge oder Tipps für angehende Stuntdarsteller?

Es ist nicht leicht an den ersten Job zu kommen, das ganze muss erstmal ins Rollen kommen. Genauso wichtig, wie die eigenen Fähigkeiten, ist, ob die Menschen Lust haben mit einem zu arbeiten, die Motivation, wie man sich selbst einschätzen kann und wie zuverlässig man ist.

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Stuntman: Voraussetzung und Ausbildung – berlin.de
Beruf Stuntman – fast wie beim Ballett – zeit.de
Berufsbild Stuntman – german-stunt-association.de