PC für Videobearbeitung – Das muss der Computer können

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PC für Videobearbeitung – Das muss der Computer können

Was Viele nicht wissen oder als unwichtig empfinden: Wer professionell Videos bearbeiten möchte, braucht nicht nur entsprechende Software – auch Hardwarekomponenten müssen die speziellen Anforderungen der Videobearbeitung erfüllen können.
Obwohl man es vielleicht nicht erwarten würde, ist ein Gaming PC, so wie viele andere PCs auch, nicht zur speicherintensiven Videobearbeitung geeignet. Wer hochauflösende Videos bearbeiten will, muss sich also selbst einen PC zusammenzustellen können oder zumindest in der Lage sein, die Hardware eines neuen oder bestehenden Systems richtig zu bewerten und gegebenenfalls selbst zu optimieren. Doch worauf kommt es bei der Videobearbeitung an?

Was brauche ich für die Videobearbeitung am PC?

Die Videobearbeitung ist ein sehr hardwarelastiger Prozess. Damit dieser beim Arbeiten reibungslos ablaufen kann und man dementsprechend keine unnötige Zeit verschwendet, sollte man wissen, welche die tragenden Komponenten der Videobearbeitung sind und wie man diese optimieren kann.
Dient die Videobearbeitung ausschließlich als Hobby, muss es nicht unbedingt das Teuerste sein. Wer jedoch regelmäßig damit arbeiten muss, für den zahlt sich eine Mehrinvestition schnell aus. Deshalb finden Sie im Folgenden auch jeweils eine Hobby- und eine Empfehlung von uns.

CPU (Prozessor)

Ein starker CPU ist die Grundvoraussetzung für Videobearbeitung, Bildbearbeitung und das Gaming. Je niedriger die Prozessorleistung, desto langsamer lassen sich Kodierung und Export hochauflösender Videoaufnahmen generieren. Nur mit einem leistungsstarken Prozessor lässt sich das Material, das Sie gerade bearbeiten, auch problemlos anschauen.
Die meisten Softwaresysteme, wie Adobe Premiere, Sony Vegas und Final Cut Pro setzen in erster Linie einen Leistungsstarken CPU voraus. Verwendet man Software, wie zum Beispiel DaVinci Resolve, rückt die Bedeutung der Grafikkarte eher in den Vordergrund (dazu gleich mehr). Das meiste Budget sollten Sie jedoch in jedem Falle für den Prozessor einplanen.

Kerne oder Taktfrequenz?
Erst das Einsetzen mehrerer Kerne mit entsprechender Lüftung ermöglicht eine dauerhafte CPU Leistung von vier GHz und mehr, ohne dass die Chips zu stark überhitzen. Deshalb empfehlen wir Ihnen für die Videobearbeitung einen CPU, der mindestens vier Kerne hat – je nach endgültiger Taktfrequenz eher sogar mehr.
AMD und Intel sind jedenfalls Marktführer ihrer jeweiligen Preisklasse, während AMG in Sachen Gaming nicht mehr ganz mithalten kann.
Leider sind die Preise für gute Prozessoren insgesamt sehr hoch angesetzt. Während die Preise von AMD Prozessoren jedoch relativ schnell wieder sinken, steigt Intel ähnlich teuer ein, hält aber dieses Preisniveau in der Regel aufrecht.

Unsere aktuellen Empfehlungen:
Spitzenkandidaten von Intel sind Modelle der Intel Core i7 Reihe, allen voran der i7-7700K mit dem aktuell besten Preis-Leistungs-Verhältnis: Ganze 4,5 GHz Turbo Boost und Hyper-Threading-Technik bekommt man hier für ca. 350 Euro geboten. Er zeichnet sich nicht nur durch seine Schnelligkeit aus, sondern auch durch die auf 4K optimierte Grafik GPU, eine zuverlässige Leistung, sowie niedrigen Stromverbrauch. Es gibt natürlich auch teurere Modelle, diese bleiben jedoch in Sachen Preis-Leistung hinter dem i7-7700K zurück.
Tatsächlich hat es AMD geschafft, dem bisherigen Marktführer Intel seit neuestem ernsthafte Konkurrenz zu machen. Der brandneue Ryzen 7 1700X für knappe 400 Euro ist zwar alles andere als erschwinglich, doch in Sachen Leistung kann er auf jeden Fall mit dem (noch-) aktuellen Spitzenkandidaten von Intel mithalten. Und wer weiß – vielleicht sinkt auch hier wieder der Preis.
Wem beides zu teuer ist, für den könnte ein AMD Prozessor der FX-Reihe eine sehr gute Wahl sein. Im Vergleich zu den ersten beiden Empfehlungen handelt es sich hierbei um Mittelklasseprozessoren, die deutlich ineffizienter arbeiten, dafür aber auch mit ähnlichem Ergebnis weniger als halb so viel kosten. AMD Prozessoren, wie der FX 6300 für ca. 90 Euro, sind in jedem Fall die aktuell beste Wahl für Hobby-Cutter, die einen höheren Stromverbrauch und längere Wartezeiten für den Preis in Kauf nehmen.

RAM (Arbeitsspeicher)

Da viel Speicherplatz zur Bearbeitung hochauflösender Aufnahmen benötigt wird, ist die Größe des Arbeitsspeichers essentiell für die Videobearbeitung. Wenn Sie mit 1080p arbeiten, benötigen Sie einen Arbeitsspeicher von mindestens 8 GB, bei 4K sollten es schon 16 GB sein. Je größer Ihre Projekte im Allgemeinen sind, desto größer sollte auch der Arbeitsspeicher sein. Wir empfehlen 16 GB als absolutes Minimum.

Unsere aktuellen Empfehlungen:
Sehr empfehlenswert ist momentan der HyperX Savage für knappe 150 Euro. Mit einer hohen Taktfrequenz (2.4 GHz) und Realgeschwindigkeit, sowie 16 GB Speicherkapazität und CL 11 ist er bestens zum Videoschnitt geeignet und übertrifft seine Konkurrenzprodukte um ein Haar.
Gleich dahinter reiht sich der Vengeance Pro Series von Corsair ein. Für ca. 140 Euro ist er zu haben und bietet dem Nutzer dafür fast exakt die gleichen Werte, wie der HyperX Savage.
Wer noch einmal 15 Euro weniger investieren möchte und mit einer Taktfrequenz von nur 1.6 GHz zufrieden ist, den könnte möglicherweise auch der F3 1600 von G-Skill glücklich machen. Er hat eine Latenz CL 7 und zeichnet sich besonders durch seine gute Kühlung aus, Übertaktung kein Problem.

Der Prozessorkühler

Damit Sie nicht in Versuchung kommen, am falschen Ende zu sparen, haben wir nun ein paar wichtige Informationen bezüglich des Prozessorkühlers zusammengetragen.
Ein guter Kühler kann die Leistung des Prozessors ein wenig steigern und verlängert gleichzeitig die Lebenszeit der CPU. Beim Übertakten wird der Prozessorkühler sogar dringend notwendig, weshalb man auch hier investieren sollte.
Weiterhin gilt es zu beachten, dass CPU, Mainboard und Kühler kompatibel sein müssen und das Gehäuse genug Platz für den eventuell sehr Platzraubenden Kühler bietet. Wer einen leisen Kühler möchte, dem empfehlen wir Lamellenkühler.

Unsere aktuellen Empfehlungen:
Eine sehr gute Wahl bezüglich der Preis-Leistung ist der Be quiet! BK013 Shadow Rock 2 Prozessorkühler, der für einen Preis von ca. 40 Euro eine äußerst zuverlässige Kühlleistung an den Tag legt und auch unter Vollauslastung sehr leise arbeitet. Er ist mit aktuellen Intel und AMD Sockeln kompatibel und unser absoluter Favorit unter den CPU-Kühlern, bestens geeignet für die VIdeoproduktion.
Arctic bietet für ca. 25 Euro einen ebenfalls sehr leisen Prozessorkühler inklusive Wärmeleitpaste MX4 zum Verkauf an. Trotz kleinem Preis ist der ARCTIC Freezer 13 eine absolute Empfehlung für den Sparenden und hat in Sachen Preis-Leistung am besten abgeschnitten. Auch er ist mit allen aktuellen Sockeln von AMD und Intel kompatibel.
Wenn Sie ein, zwei Preiskategorien höher gehen, finden Sie natürlich auch attraktive Angebote mit vielen Extras, wie z.B. ein Multisockel Montagesystem und automatischer Geschwindigkeitsregelung. Diese Extras sind für die Videobearbeitung jedoch nicht wichtig und bleiben diesmal von unserer Seite unerwähnt.

Das Mainboard

Das Mainboard ist das Herz des selbstgebauten Videoschnitt PCs. Wichtig ist, dass dieses in das bereits vorhandene oder zukünftige Gehäuse hineinpasst und mit dem CPU kompatibel ist. Überprüfen Sie also, ob das BIOS/UEFI Ihre gewünschte CPU unterstützt, vergleichen Sie außerdem die Sockel, mit denen der Prozessor befestigt wird und vergessen Sie nicht auch auf andere Anschlüsse zu achten, die Sie für Ihre individuellen Anforderungen benötigen (z.B. mehr RAM-Slots für mehr RAM-Leistung, USB 3.1 und eine RAIID-Funktion). Die aktuell gängigsten Bauweisen für Mainboards sind Mini-ITX (17 x 17 cm), Micro-ATX (24.4 x 24.4 cm) und ATX (30.5 x 24.4 cm).
Insgesamt kann ein schlecht gewähltes Mainboard die Gesamtleistung des Computers und somit auch die Videoqualität leicht negativ beeinflussen und Sie in Sachen Kompatibilität stark einschränken. Dennoch gibt es für den Sparenden auch günstige Varianten ab 100 Euro auf dem Markt, die den Ansprüchen der Videobearbeitung und des Gamings genügen.
AM4 Sockel sind mit AMD Prozessoren der gehobenen Mittelklasse kompatibel und werden noch einige Jahre aktuell bleiben. Bei Intel sind derzeit zwei Sockel gängig (LGA 1151, LGA 2011-v3). Insgesamt stellt die AM4-X370 Kombination etwas weniger Ressourcen bereit, als Intels Sockel 1151 mit Z270, kommt aber mit dem AMD B350 nahe an Intels B250 heran.

Unsere aktuellen Empfehlungen:
Am zuverlässigsten sind Modelle von Asus und GigaByte, wobei sich das ASUS Prime X370-PRO für knapp 170 Euro sich in unserem Vergleichstest als aktuell unschlagbar erwiesen hat. Neben einem AM4 Socket (mit aktuellen AMD Prozessoren kompatibel) sind Anschlüsse für insgesamt 64 GB RAM, DP/HDMI, SATA 6 GB/s, einen USB 3.1 und einen Realtek-ALC1220-Codec für eine optimale Audioqualität vorhanden. Maße: 30.5 x 24.4 x 3 cm.
Für Intel Prozessoren der sechsten und siebten Generation empfehlen wir Ihnen das ASUS ROG Maximus IX Hero für ca. 230 Euro. Sie haben volle Kontrolle über das Kühlsysten und können mit nur einem Klick Systemweit übertakten (5-Wege-Optimierung).Außerdem gegeben: Aura Sync RGB LED + zwei Aura 4-Pin RGB-Strip-Anschlüsse, SupremeFX + Sonic Studio III und Sonic Radar III, USB 3.1 Anschluss Typ-A und -C, zwei M.2, Intel Gigabit Ethernet, LANGuard- und GameFirst-Technologien. das sich aufgrund zuletzt genannter Funktionen ist das ASUS Mainboard auch optimal für das Gaming geeignet. Safeslot und Premium-Komponenten für maximale Langlebigkeit rechtfertigen den etwas höheren Preis. Maße: 30.48 x 2.54 x 24.83 cm.

Grafikkarte oder GPU im i7?

Grafikkarten sind nicht nur für das Gaming besonders wichtig, sondern nehmen für die reine Videobearbeitung einen ebenso wichtigen Stellenwert ein.
Intel hat einen Grafikern (GPU) in seine neuen Prozessoren eingebaut, mit dem es möglich ist, 4K Videos zu dekodieren. Das bedeutet, dass man für kleine Projekte nicht unbedingt eine zusätzliche Grafikkarte braucht.
Sobald man jedoch einen Prozessor ohne Grafikkern besitzt, mehrere Bildschirme und/oder DaVinci Resolve zur Bearbeitung von Videos verwendet, der sollte dringend eine zuverlässige Grafikkarte mit einplanen. Für die Videobearbeitung muss man nicht unbedingt zu den teuersten Grafikkarten greifen. Wer bereit ist, trotzdem einiges in eine Grafikkarte zu investieren, kann sich Karten, wie die GTX 1070 oder die GTX 1080 einmal genauer ansehen. Günstigere Modelle, die der GTX 1060 6GB nahe kommen, sind ebenfalls sehr zu empfehlen.
Tipp: Überprüfen Sie, ob der Hersteller Ihrer Schnittsoftware eine Liste mit unterstützten oder empfohlenen Grafikkarten hat und entscheiden danach.

SSD oder Festplatte für die Videobearbeitung am Computer?

Festplatten sind für den Videoschnitt eigentlich nicht schnell genug. SSD Karten hingegen sind für den Fotoworkflow bestens geeignet und für den 4K-Videoschnitt praktisch unverzichtbar. Bootvorgänge, das Öffnen verschiedener Anwendungen, das Laden und Speichern, sowie das Rendern laufen um einiges schneller ab und ermöglichen somit ein effizienteres Arbeiten.
Genauer gesagt ist es sogar am sinnvollsten, sich für den professionellen Bereich eine eigene SSD Karte speziell für die Videobearbeitung zu besorgen. Für größere Projekte sollte diese eine Größe von mindestens einem Terrabyte besitzen. Gut, dass immerhin die hohen Preise der SSDs momentan etwas sinken. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Augen nach Angeboten offen zu halten.
Der aktuelle SDD Testsieger der ist die Crucial MX300, die beim Rendern ungefähr zweimal so schnell arbeitet, wie eine herkömmliche Festplatte.

Das Gehäuse

Das Gehäuse muss abnehmbare Seitenwände besitzen und genügend Platz für einen oder mehrere Lüfter bieten. Auch nicht zu vergessen sind SDD Rahmen und UBS3-Ports für eine schnelle Datenübertragung.

Was ist für die Videobearbeitung am PC außerdem wichtig?
CPU, Grafikkarte, RAM und SDD sind diejenigen Komponenten, auf die es bei der Videobearbeitung mit dem PC und dem Notebook am meisten ankommt. Nur wenn diese vier Bestandteile sorgfältig ausgewählt werden, lässt sich auf lange Sicht gesehen zuverlässig und effizient arbeiten. Als Betriebssystem empfehlen wir Windows.
Für einen eigens zusammengestellten Videoschnitt-PC kann man 700, aber auch 5000 Euro investieren. Sie sollten also – ihre persönliche Intentionen fest im Blick – entscheiden, wann sich welche Investition für Sie lohnt.

2017-09-28T19:50:23+00:00 September 28th, 2017|Technik|